Zählt aber alles nicht, also hab ich mich rechtzeitig zu meinem Arbeitgeber aufgemacht, vor der Fortbildung noch mal am Arbeitsplatz vorbeigeschaut, Kollegen moralisch gestärkt und in die Akademie geschlendert. Da gab es lecker belegte Brötchen, Kaffee, Tee und Erfrischungsgetränke. Okay, das hört sich eigentlich immer noch gut an, stimmt. Dann kam der erste Vortrag, der Referent ein Kölner Rechtsanwalt, dem bevorstehenden Karneval offensichtlich nicht abgeneigt. Das Thema mit "Delegation ärztlicher Tätigkeiten" formal trocken, aber von ihm locker vorgebracht.
Aber dann, der nächste Referent - hoch angepriesen als ganz besonders - war auch ganz besonders. Bereits nach fünf Minuten konnte ich nicht mal annähernd wiedergeben, um was es ging. Wenn ich nicht ab und zu ein paar Worte vom Overhead abgelesen hätte, könnte ich nicht mal das Thema benennen. Er sprach in Halbsätzen, stets unvollendet und leider ausgesprochen monoton. Irgendwann habe ich dann abgeschaltet und an angenehmere Dinge gedacht. Nach 45 Minuten war auch das rum und der Veranstalter (Leiter einer Pharma-Firma) wies darauf hin, dass wir nun 15 min Pause haben und dann sehr pünktlich der nächste Vortrag beginnt, da der dritte Referent sehr sehr pünktlich wieder weg muss. Nach der Pause - wir waren wirklich alle sehr pünktlich zurück - stellte sich heraus, dass der Referent nicht erschienen ist und der Veranstalter zauberte einen weiteren Referenten aus dem Hut.
Er erschien mir zunächst etwas leise und blutarm. War er wohl auch, aber sein Vortrag über Bipolare Störungen - fast immer in Anlehnung an berühmte Betroffene wie Kurt Cobain, V. van Gogh oder Amy Lee (Evanescence - Lithium)- die die Phasen ihrer Erkrankung in ihren Arbeiten oft eindrücklich demonstrierten - war doch richtig gut.

Sternennacht von Vincent van Gogh - offensichtlich in einer depressiven Phase entstanden.
Dann sollte die Mittagspause stattfinden, mit anschließendem zweistündigem Workshop - unterbrochen von Kaffee und Kuchen. Aber - oh Wunder - auch der Referent für den Workshop war nicht anwesend, so dass wir nach dem Mittagessen direkt zu Kaffee und Kuchen übergehen konnten. Oder den Rest des Tages nach Belieben verbringen durften. Ich entschied mich für "nach Belieben" und bin nach Hause gefahren. Dort habe ich direkt meine Laufschuhe angezogen und bin 50 min sehr langsam gelaufen. Sehr langsam aber unfreiwillig. "Schuld" war das erst knapp eine Stunde vorher eingenommene Mittagessen, bei dem ich mich nicht zurück gehalten habe. Das lag dann so schwer im Magen, dass ich mit permanenter Übelkeit zu kämpfen hatte. In Verbindung mit einem leichten Infekt war das genau richtig, um so richtig schlecht zu laufen.
Sag ich doch...es war gruselig!
Versöhnt hat mich dann der Tagesabschluss: ein Bier, ein Grappa und das 1:1 von Werder gegen Milan...
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